Cours Stage - Art et pouvoir (CE)

Compréhension écrite - Graffitis in Chemnitz

L'énoncé

Compréhension de l’écrit

Graffitis in Chemnitz

„Ich verbringe viel Zeit mit der Suche nach guten Spots für meine Bilder“. Wenn David durch die Straßen seiner Stadt läuft, ist sein Blick stets aufmerksam. Er checkt Freiflächen1 an Hausfassaden, Mauern und Straßenbahnen. Hat David den perfekten Ort gefunden, beginnen für ihn die Vorbereitungen. Er skizziert die grobe Idee seines Bildes und schüttelt die Farbe in den Dosen vor. David ist aber in den Momenten seines künstlerischen Schaffens ein Verbrecher2. Er packt die Dosen in seinen Rucksack und wirft ein paar Handschuhe hinterher. Die Action kann losgehen.

Drei Uhr morgens beginnt David ein zwei Meter mal vier Meter großes Graffiti zu sprühen. In wirklich eindrucksvoller Größe steht da jetzt, nach knappen zehn Minuten, der SprayerName von David. Die Dosen werden eingepackt und die Handschuhe ausgezogen. 

Am nächsten Tag steht David auf der anderen Straßenseite und macht ein Foto von seinem Werk, als Souvenir. „Ich finde, dass Graffitis die Stadt viel interessanter gestalten. Leere Hausfassaden langweilen mich. Überall hässliche Werbeslogans…, dazwischen darf ruhig etwas Kunst hervorgucken.“

Hausmeister Fischer steht am Nachmittag wütend vor dem neuen Graffiti. „Ich bin stinksauer, fast jeden Monat muss ich die Schmierereien3 entfernen oder eine Fassadenreinigungsfirma beauftragen, größeren Unfug zu beseitigen. Für mich ist das einfach nur Sachbeschädigung4 und hat nichts mit Kunst zu tun.“

Street-Art ist eine anerkannte Kunstform geworden: Am 3. September 2017 fand in Chemnitz die „Ibug“ statt, ein Festival für urbane Kunst und Kultur. An zwei Wochenenden besichtigten rund 15.000 Besucher die Street-Art-Werke. Viele der dort ausgestellten Künstler malen auch illegal. „Der Adrenalin-Kick, wenn man heimlich ein Bild malt, gehört eben dazu. Die Street-Art hat ihre Wurzeln5 im Kriminellen, dort kann man sie auch nicht rausholen“, beschreibt David. Städte wie London oder Berlin sind bekannt für ihre StreetArt, das zieht viele kunstinteressierte Touristen an. Der weltberühmte britische Street-Art-25
Künstler Banksy malt fast ausschließlich illegal. Trotzdem sind in London oder Brighton seine Graffitis richtige Touristenhotspots, und es gibt immer wieder Ausstellungen seiner Werke.

Außerdem wird die Kunstform des Graffitis mit ihrem lockeren, jugendlichen Image zunehmend für Werbezwecke genutzt. Eine Firma für Sportschuhe präsentiert Wandmalereien, bei denen man auf den ersten Blick keine Werbung erkennt. Graffiti hat ein cooles und kriminelles Image. Aber genau dieser kriminelle Aspekt ist es vielleicht, der dem Graffiti seinen Charme und seine Attraktivität verleiht.

Die Stadt Chemnitz bietet immer mehr legal zu besprühende Flächen an, um das Stadtbild künstlerischer und bunter zu gestalten und auch, um illegales Graffiti zu unterbinden6. Aber selbst wenn immer mehr legale Freiflächen angeboten werden, wird Graffiti ohne den Hauch des Illegalen nicht funktionieren.

David malt heute tagsüber ein großes Bild an ein städtisches Gebäude. Die Passanten sind begeistert und machen Fotos. Ob diese Begeisterung bleiben würde, wenn sie von Davids nächtlichen Aktivitäten wüssten, ist natürlich eine ganz andere Frage. 

Nach: KUMMER N. https://medien-mittweida.de/graffiti; Mai 2018


1 die Freifläche: la surface libre

2 der Verbrecher: le hors-la-loi

3 die Schmierereien: les gribouillages

4 die Sachbeschädigung: le dommage à la propriété

5 die Wurzel: la racine

6 unterbinden: empêcher


Question 1

Lesen Sie den Text. Geben Sie wieder, was Sie verstanden haben. Beachten Sie dabei folgende Punkte:

- Die verschiedenen Meinungen zu Graffitis;

- Die Reaktion der Stadt Chemnitz aber auch von Firmen auf die Graffitis.

In dem Text geht es um Graffitis in der Stadt Chemnitz. Die Journalistin geht auf verschiedene Meinungen zu Graffitis ein. Einerseits zeigt sie, was die Sprayer, wie zum Beispiel David, über Graffitis denken. Für David machen Graffitis die Stadt interessanter und sind Kunst. Andere Stadtbewohner denken anders über die Graffitis. Hausmeister Fischer beispielweise findet, dass Graffitis Sachbeschädigung sind, nicht Kunst. Die Stadt Chemnitz wertet ihre Graffitis auf. 2017 gab es in Chemnitz ein Festival für urbane Kultur, bei dem viele Besucher die Chemnitzer Street Art bewundern konnten. Somit ist Street Art ein wichtiger Teil der Kultur für die Stadt Chemnitz. Es werden Flächen freigestellt, auf denen Künstler legal Graffitis sprayen können. Auch immer mehr Firmen nützen Street Art zu Werbezwecken.

Question 2

Bewerten Sie die Haltung der Journalistin Nina Kummer: Ist sie eher neutral oder engagiert? Begründen Sie Ihre Antwort mit Beispielen aus dem Text.

Einerseits ist die Journalistin am Anfang des Artikels eher neutral. Sie zeigt verschiedene Meinungen zum Thema Graffiti. Beispielsweise zitiert sie David, einen Künstler, nach dem Graffiti positiv ist: „Ich finde, dass Graffitis die Stadt viel interessanter gestalten“(Z.12 ff). Aber sie zeigt auch andere Meinungen, wie die eines Hausmeisters: „Für mich ist das einfach nur Sachbeschädigung und hat nichts mit Kunst zu tun“ (Z.17 ff). Insgesamt wird aber weniger der Blickpunkt der Graffiti-Gegner gezeigt und die Journalistin engagiert sich sehr für Street Art. Für sie sind Graffitis etwas positives, wie folgendes Zitat zeigt: „Graffiti hat ein cooles und kriminelles Image. Aber genau dieser kriminelle Aspekt ist es vielleicht, der dem Graffiti seinen Charme und seine Attraktivität verleiht.“ (Z. 33ff).